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Der Name Skat ist viel älter als das
Skatspiel selbst. Schon im italienischen Tarockspiel werden die beiseite gelegten Karten
als Skat bezeichnet, was auch der sprachlichen Bedeutung im Italienischen entspricht:
scartare - weglegen. Zum erstenmal wird das Skatspiel 1818 in den "Osterländischen
Blättern" erwähnt, die von Friedrich Ferdinand Hempel in Altenburg herausgegeben
wurden. Er hat mit einigen Freunden, dem Medizinalrat Dr. med. Schuderoff, dem
Lexikonverleger Brockhaus und dem Ratskopisten Neefe, um nur die bekanntesten zu nennen,
das Skatspiel allmählich entwickelt. Carl Neefe führte 1817 die Spitzen- oder
Matadorenrechnung ein und schuf damit die Grundlage für das beim Skatspiel typische
Reizen. In der ersten Zeit des öfteren neben dem Tarock gespielt. Da man es zu dritt
spielte, blieben von den 32 Blatt der Schafkopfkarte zwei Karten übrig, die der
Kartengeber als elftes und zwölftes Blatt erhielt. Er wurde damit immer Alleinspieler,
ohne Rücksicht darauf, ob er seiner Karte nach Gewinnchancen hatte oder nicht. Auch die
Wahl der Trumpffarbe lag nicht in seinem Ermessen, denn am Anfang der Entwicklung des
Skatspiels waren zwar die Buben ständige Trumpfkarten, man kannte aber auch eine
ständige Trumpffarbe, und zwar Karo. Als einzige Vergünstigung konnte der Kartengeber
als Alleinspieler zwei Karten, die ihm nicht in sein Spiel passten, als Skat weglegen.
Später wurde die Trumpffarbe nach der Karte, die nach dem Abheben als unterste lag,
bestimmt. So bekam der Kartengeber, der ja Alleinspieler war, zumindest eine Trumpfkarte
in die Hand. Da bei dieser Festlegung der Alleinspieler die meisten Spiele verlor, ging
man dazu über, es dem Spieler selbst zu überlassen, ob er Alleinspieler sein wollte oder
nicht. Das führte zwangsläufig dazu, die überzähligen zwei Karten schon, beim
Kartengeben beiseite zu legen, um sie dem Alleinspieler zu überlassen, der
selbstverständlich wieder zwei unpassende Karten »drücken« musste. Trumpffarbe wurde
jetzt die unterste Skatkarte. Die Frage an die Spieler, ob sie das Spiel machen wollten,
wurde in der Reihenfolge Vorhand, Mittelhand, Hinterhand gestellt.
Diese Reihenfolge hat sich bis
heute beim Reizen erhalten. Später wurde die Trumpfbestimmung durch irgendwelche
Leitkarten fallengelassen, und die Wahl der Trumpffarbe bestimmte der Alleinspieler
selbst. Zu dieser Zeit wurde auch schon ohne Aufnehmen des Skats gespielt, also wie bei
unseren heutigen Handspielen, und eine unterschiedliche Bewertung der vier Farben
eingeführt. Man kannte damals acht verschiedene Spiele, und zwar die vier Fragespiele und
die vier Solospiele ohne die Benutzung des Skats. Sie bekamen folgende Grundwerte:
Karo-Frage = 1, Herz-Frage = l, Pik-Frage = 3, Kreuz-Frage = 4, Karo-Solo = 5,
Herz-Solo =
6, Pik-Solo = 7, Kreuz-Solo = 8. Damit ergab sich ganz von selbst die Versteigerung des
Spiels, wobei die Reihenfolge des Fragens oder Bietens - unseres heutigen Reizens - so
beibehalten wurde, wie man es von den Fragespielen her gewohnt war.
Die Null- und As-Spiele waren auch schon
im vorigen Jahrhundert bekannt. Während die Nullspiele bereits damals reine Stichspiele
waren, das heißt, der Spieler durfte keinen Stich bekommen, waren die As-Spiele ohne
Trumpf. Sie sind mit den Großspielen oder Grands unserer Zeit vergleichbar, wobei die
Buben in die Farben eingereiht wurden. Ebenfalls in diese Zeit fällt das Ansagen von
Schwarz; die offenen As-Spiele, die Wende- und auch die Großspiele kamen hinzu, und das
Jahr 1870 brachte das Ansagen von Schneider. Mit der Einführung der Wendespiele
musste
man diesen natürlich Grundwette beiordnen, und da man die Handspiele höher bewerten
wollte als diese, gab man den Wendespielen die Werte 5 bis 8 und setzte die Zahlenreihe
für die Handspiele fort, so dass in der Reihenfolge Karo bis Kreuz die Werte 9 bis l2
festgelegt wurden. So entwickelten sich die für uns heute gültigen Grundwerte für die
einzelnen Farben. Die Verbreitung des Skatspiels fiel in die Jahre 1825 bis 1830. Es waren
vor allem die Studenten, die dieses Kartenspiel bekannt werden ließen. Der Weg des Skats
führte zunächst in die sächsisch-thüringischen Universitäten Leipzig, Halle und Jena
und von da aus in die anderen Gebiete Deutschlands. Mit der Verbreitung setzten auch
hasardartige Auswüchse des Skatspiels ein, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1870 bis
1880 hatten. Vielleicht traten gerade deshalb in dieser Zeit viele Förderer des guten,
sinnvollen Skats auf, deren Bestreben es war, den unterschiedlichsten Spielarten Einhalt
zu gebieten. Vom 7. bis 9. August 1886 fand in Altenburg der erste
Skatkongress statt. Auf
diesem Kongress wurde die von Karl Buhle entworfene Allgemeine Deutsche Skatordnung
angenommen. Damit waren klare und einheitliche Regeln des Skatspiels geschaffen. Sie
fanden allgemeine Anerkennung.
Was Arthur Schubert, der ein anerkannter
Theoretiker und Praktiker des Skatspiels war, noch 1922 in seinem Buch »Die Kunst des
Skatspiels« als einen Nachteil des Zahlenreizens empfand, macht unserer heutigen
Auffassung nach das Skatspiel erst zu einer unterhaltsamen Freizeitgestaltung. Schubert
empfand es als Nachteil, dass beim Zahlenreizen die Möglichkeit besteht, die
Kartenverteilung - besonders die Verteilung der Buben - zu erkennen. Wir sind heute der
Auffassung, dass sich durch diese Möglichkeit erst das reizvolle Spiel entwickeln konnte,
das wie kein anderes Kartenspiel logisches Denken erfordert. Schubert hat 1924 feste
Regeln für den sogenannten Guckiskat nach Wertreizen herausgegeben, um einer weiteren
Verwilderung, begünstigt durch den ersten Weltkrieg, energisch Einhalt zu gebieten.
Schubert war damals Bücherwart des Deutschen Skatverbandes. Das Zahlen- oder Wertreizen
hat sich schnell durchgesetzt und hat in der "Neuen Deutschen Skatordnung von
1928" seinen Niederschlag gefunden, die auf dem l2. Skatkongress in Altenburg
angenommen wurde.
Welche Verbreitung das Skatspiel bis zu
diesem Skatkongress gefunden hatte, geht wohl schon aus der Tatsache hervor,
dass von 1886
bis 1928 zwölf Skatkongresse durchgeführt wurden. Auf dem 3. Deutschen
Skatkongress 1899
in Halle wurde der Deutsche Skatverband von dem Altenburger Robert Fuchs gegründet. Eine
bis heute in aller Welt anerkannte Einrichtung wurde auf dem 11. Skatkongress 1927 in
Altenburg mit der Gründung des Skatgerichts geschaffen. Schon bald hatte sich sein
Bestehen in aller Welt herumgesprochen, und überall, wo Skat gespielt wurde, wandte man
sich in Streitfällen an das Skatgericht in Altenburg, das durch seine Arbeit erfolgreich
gegen jegliche Auswüchse im Skatspiel eintrat. Der zweite Weltkrieg hatte dieser
Entwicklung ein jähes Ende gesetzt. Aber der Ruf Altenburgs als Skatstadt hatte sich auch
über die Kriegsjahre und die ersten Nachkriegsjahre hinweg bei den Freunden des
Skatspiels erhalten. Seit dem Jahre 1960 wuchs ständig die Zahl der Anfragern, die an den
Rat der Stadt Altenburg gerichtet wurden, mit der Bitte um verbindliche Auskunft über die
Regeln für ein sportliches Skatspiel. Ende 1962 sah sich der Rat der Stadt Altenburg
veranlasst, ein Gremium von fünf Skatfreunden als Skatgericht zu berufen. Dieses
Skatgericht wurde als Aktiv bei der Ständigen Kommission für kulturelle Massenarbeit
bestätigt.
Seit 1963 hat das Skatgericht
außergewöhnliche Erfolge. Viele Anfragen, darunter ein hoher Prozentsatz Streitfälle,
kamen aus aller Welt. Diese Tatsache ist wohl der beste Beweis für die internationale
Anerkennung, die das Skatgericht in Altenburg in aller Welt gefunden hat. Aber nicht nur
auf diesem Gebiet hat das Skatgericht wertvolle Arbeit geleistet, auch die Organisation
großer Skatturniere lag und liegt in seinen Händen. 1963 fand das erste DDR-offene
Skatturnier in Altenburg statt. Weitere große Skatturniere fanden und finden in den
Ländern unseres Staates statt. Ein geschichtlicher Überblick über den Skat kann nicht
vollständig sein ohne die Würdigung des Spielkartenmuseums und die Erwähnung des
Skatbrunnens in Altenburg.
Im Schlossmuseum der Stadt Altenburg wurde
1922/23 die sogenannte Skatheimat eingerichtet. Es war der erste Raum des späteren
Altenburger Spielkartenmuseums. Von Julius Benndorf gegründet und vom bekannten Skatmaler
»Pix«, Otto Pech, ausgestaltet, wurde die Skatheimat zu einer international anerkannten
Sammlung erweitert. Wenn Sie heute das Spielkartenmuseum im Altenburger
Schloss besuchen,
so wird Ihnen ein Überblick vom mittelalterlichen Kartenmacherhandwerk bis zur
industriellen Großproduktion geboten. Spielkarten und Kartenspiele aus aller Welt geben
Ihnen einen Einblick in die Vielfalt der Gestaltung von Spielkarten.
Vom höfischen Spiel um 1450 über die
Karten aus der Zeit der Französischen Revolution von 1789 bis zu modernen
Werbespielkarten, von alten und neuen italienischen, französischen und deutschen
Tarockkarten bis zu den Kinderspielkarten zeigt Altenburg den Besuchern aus aller Welt
eine einmalige Sammlung. Von Jahr zu Jahr steigt die Besucherzahl im Altenburger
Schloss,
und ständig wächst die Zahl der Touristen, die aus dem Ausland kommen, um das
Spielkartenmuseum zu besuchen.
Die meisten Besucher der Skatstadt gehen
auch nicht an dem einzigen Denkmal, das man in der Welt jemals einem Spiel gesetzt hat,
vorüber: dem Skatbrunnen. Er wurde von dem weitgereisten Altenburger Bürger Albert
Steudemann seiner Heimatstadt gestiftet. Die Stadt Altenburg hatte hierzu einen Wettbewerb
für die Idee zur Gestaltung des Skatbrunnens ausgeschrieben. Nach vielen Diskussionen
wurde der Entwurf des Münchener Professors Ernst Pfeifer angenommen und 1903 das Denkmal
am Brühl errichtet. Auf einem Sockel kämpfen vier in Bronze gegossene Wenzel
(Buben/Unter) miteinander, und aus Schweineköpfen, den Glückssymbolen, läuft das
Brunnenwasser. So manches Kartenspiel wurde im Laufe der Jahre von abergläubischen
»Skatern« mit diesem Wasser getauft. 1942 wurden diese Bronzewenzel von den Nazis zu
Kriegszwecken eingeschmolzen. Dank der Initiative der Skatstadt Altenburg und seiner
Bevölkerung steht dieses einzigartige Denkmal in neuem Glanz wieder an seinem Platz.
   
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